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Nicolas Wezel im Interview, Künstler von “Membrain”

Nicolas Wezel auch bekannt unter dem Namen – Mephistopheles Rex – ist Künstler. Seine Werke wirken auf dem ersten Blick wild und bunt. Doch es steckt mehr dahinter. Auf ARTTRADO hat er bereits ein bisschen hinter die Kulissen gucken lassen, was sein Werk „Membrain“ tatsächlich darstellt und bedeutet. Ein so tiefsinniges Kunstwerk hat mich mit meinem spirituellen Hintergrund natürlich beeindruckt. Also habe ich mir den weitsichtigen Mephistopheles Rex vorgenommen, um noch mehr über seine Sicht auf das Leben zu erfahren. Viel Spaß beim Lesen.

Fia: Hallo Nicolas! Schön, dass du bei der Interviewreihe dabei bist. Dein Werk „Membrain“ hat mich sehr beeindruckt. In einem deiner Instagram Kommentare sagst du, dass du erst seit einem Jahr malst. Du versuchst die Strukturen und Gesetze der natürlichen Systeme darzustellen. Wie kam es denn, dass du das Bedürfnis hattest, deine Erkenntnisse dazu auf Leinwand zu bringen?

Und wieso hast du dich für den Künstlernamen Mephistopheles Rex entschieden?

Nicolas Wezel:

Hallo. Vielen Dank für das Interesse, ich habe nicht damit gerechnet, dass sich jemand für meine Pinseleien interessiert und freue sehr darüber.

Eine gewisse Melancholie war schon immer Teil meines Lebens, den nur wenige Menschen, die mir sehr nahe stehen, kennen. Es ist ein Gefühl und eine Art zu denken, was sich am besten mit dem Wort Finsternis umschreiben lässt. Weil sich diese Finsternis in den letzten 2-3 Jahren begann auszuweiten, musste ich intervenieren und ich kam auf Idee, das Malen könnte einen ähnlich ausgleichenden Effekt auf mich haben wie das Schreiben, das ich aus einem ähnlichen Grund vor 15 Jahren begann.

Es ist eine besondere Form innerer Erfüllung, die man empfindet, wenn man sich an einer Form kreativer Schöpfung versucht und dabei etwas bestenfalls Ausdrucksstarkes aus einer Idee entsteht, das die eigene Vergänglichkeit überdauert und zugleich einen Teil des eigenen Selbst widerspiegelt. Als die ersten Versuche etwas zu malen, mir wie Farbverschwendung erschienen, erinnerte ich mich daran, dass ich immer wieder in den vergangenen Jahren das Bedürfnis hatte, Strukturen zu kritzeln, wenn mir kein guter Reim beim lyrischen Schreiben in den Sinn kam. Selbst beim Schreiben von Gedichten widerstrebt es mir, wenn sich ein kleinster Fehler im Reimschema einschleicht und die Struktur der Verse zerstört.

Da ich in allem, was ich sonst mache, Chaos verursache, so sehr ich auch versuche, dies zu verhindern, außer wenn ich etwas Wichtiges ausdrücken will , kam mir die erste jugendliche Erkenntnis, die Ursprung der oben erwähnten Hintergrundbedeutung meiner Bilder war, wieder in den Sinn und wie sehr sie mein ganzes Leben geprägt hat. Das einzige, was mir leicht fällt, ist Muster im Chaos zu erkennen, ob ich mir diese nur einbilde oder sie tatsächlich da sind sei einmal dahin gestellt. Warum das so ist, lässt sich vor allem mit einer Aufmerksamkeitsstörung erklären, die zur Folge hat, dass es mir fast unmöglich ist, mich längerfristig mit einer Thematik zu befassen.

Nach kurzer Zeit intensiver  Einarbeitung verliere ich das Interesse und beginne etwas Neues, in das ich mich wieder nur kurze Zeit fanatisch vertiefe, was zur Folge hat, dass ich durch Literatur zu sehr vielen wissenschaftlichen Themen mehr sagen kann als ein Laie, weil ich zu fast jeder wissenschaftlichen Disziplin u.a. Themen mindestens 1-2 Bücher gelesen habe, jedoch weniger als jemand, der sich langfristig damit beschäftigt hat. Leider eignet sich dies eigentlich für nicht viel, außer dem Debattieren und dem Erhalt eines gewissen Überblickes, dem ich meine strukturbezogene Betrachtungsweise zuschreibe.  

Ich dachte also, vielleicht funktioniert das auch irgendwie umgekehrt angewendet beim Malen, die Darstellung der für mich offensichtlichen Muster im scheinbaren Chaos und somit meine Sichtweise der Welt. Bei einem vorherigen Malversuch hatte ich, weil mir nichts gelingen wollte, nur noch allerlei Farben zusammen gepinselt und dabei war mir aufgefallen, dass dieses Bild zum ersten mal ansehnlich war. Also überlegte ich, ob vielleicht dieses Prinzip von Struktur im Chaos in Kombination mit der Vereinigung von Farbkontrasten möglichst vieler Farben ja auf einem Bild so eindrucksvoll wirkt, wie das Nachdenken darüber auf mich gewirkt hatte, die neurologischen Voraussetzungen, die ich bei der Bildbeschreibung erwähnte, legten die Vermutung nahe. Ich las, dass Schwarz die Farben stärker leuchten lässt und Effekte verstärkt, was ich also auch nutzen wollte und startete einen Versuch, der, wie ich fand, nicht ganz so übel aussah wie alles zuvor.

Seither experimentiere ich damit in alle möglichen Richtungen, wobei ich in meinen Augen weit entfernt davon bin, mich Künstler zu nennen, weil es ein Können impliziert, welches ich bisher nicht an meinen eigenen Werken erkenne, weswegen es mich ehrt, wenn jemand anders diesen Begriff verwendet.

Der Klang des Namens Mephistopheles hat mich fasziniert, als ich Goethes Faust las, ganz abgesehen von dem Werk selbst. Er bedeutet griechisch interpretiert so viel wie „der Lichtscheue“. Da ich derart empfindliche Augen habe, dass ich blind bin, wenn ich bei Sonnenschein ohne Hut und Sonnenbrille vor die Tür gehe, beschreibt der Name ziemlich gut eine Schwäche, deren Auswirkung (Hut und Sonnenbrille) der erste Eindruck ist, den die Meisten von mir haben. Also benutzte ich den Namen vor Jahren spontan bei allen Anmeldungen, mittlerweile gibt es vermutlich weniger Menschen die meinen echten Namen verwenden oder kennen. Rex bedeutet König, also „König der Lichtscheuen“, was ich damit sagen wollte ist mir selbst schleierhaft (ist mindestens 10-15 Jahre her), denn es gibt vermutlich wenige Bezeichnungen die meiner Persönlichkeit mehr widersprechen.   

Fia: Im Beitrag von ARTTRADO erzählst du von einem kurzen Text, den du mit 16 oder 17 geschrieben hast, welcher dir weiterhalf deine herausfordernde Vergangenheit zu bewältigen. Wenn es dir nicht zu nahetritt, bist du bereit ihn mit uns zu teilen?

Nicolas Wezel:

Natürlich, gerne!  

Mit sechzehn oder siebzehn schrieb ich einen kurzen Text zu einer Erkenntnis, die ich nach langen Überlegungen hatte und die mir half, einige schlimme Kindheitserlebnisse für die ich mich z. T. verantwortlich fühlte zu überwinden. Mir wurde bewusst, dass alles was geschieht auf der Welt eine endliche Anzahl von Ursachen haben muss. Wenn das der Fall war, so konnte man sagen, dass alles, was geschieht nicht anders hätte laufen können, denn die Ursachen bestimmten die Folge und sofern deren Anzahl endlich und ihre Auswirkung bestimmt war, konnte mathematisch nur ein Ergebnis möglich sein. Somit war alles vorher bestimmt jedoch nicht im Sinne von Schicksal, was dem Vorherbestimmten einen Sinn oder gar einen Bestimmer unterstellte, sondern einer rationale mathematische Variante von Schicksal, was ich in dem Aufschrieb „theoretisches Schicksal“ nannte.

Die Erkenntnis nahm mir das Gefühl, verantwortlich zu sein für das in meiner Kindheit Geschehene. Da ich aus einer einfachen Arbeiterfamilie stamme, war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht sehr wissenschaftlich gebildet und las erst später, dass dies Prinzip Determinismus genannt wird und gewissermaßen Grundlage der Naturwissenschaft ist. Diese Erkenntnis verhalf mir erstmals eine grundlegende Struktur überall zu erkennen, die mir die Welt und das Verhalten anderer verständlich und Erlebtes erträglicher machte. Den Originaltext habe ich tatsächlich noch irgendwo, da aber Ordentlichkeit zu den vielen Dingen gehört, zu denen ich trotz intensiver Anstrengung absolut unfähig bin, dürfte die Suche danach sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Fia: Deine Mission die scheinbar zufälligen Strukturen des Lebens zu verdeutlichen stelle ich mir sehr anspruchsvoll vor. Wie reagiert dein Umfeld auf deine Erkenntnisse und Bilder? Können sie verstehen, was du ihnen sagen möchtest?

Nicolas Wezel:

Das ist ziemlich unterschiedlich. Bei diesem Text handelt es sich um einen Bruchteil dessen, womit ich mich befasst habe und worüber ich spreche wenn es jemanden interessiert. Möglicherweise muss man sich mit meinen Überlegungen eine Weile auseinander setzen, wenn man sich darüber zuvor noch nie Gedanken gemacht hat, um zu verstehen was ich sagen will und ob es Sinn ergibt.

Da ich die Grundlagen meiner Überlegungen nicht erfunden sondern sachlich geschlussfolgert habe und jeden Aspekt mittlerweile bis ins kleinste Detail belegen oder logisch begründen kann, weil ich mich selbst und meine Ideen als mein größter Kritiker ständig beinahe krankhaft hinterfragte, überprüfte und immer davon ausging falsch zu liegen, was heute noch der Fall ist, konnte meinen Ideen bisher kein Akademiker, wovon ich einige in meinem Bekanntenkreis habe, widersprechen und den Widerspruch sachlich begründen. Das ist mir sehr wichtig ist weil es zumindest zeigt, dass es mehr als wirre, geistlose Phantasien sind.

Unter den Naturwissenschaftlern, mit denen ich meine Ideen teilte, erhielt ich deswegen eigentlich durchweg Zustimmung bisher, wohl auch wegen meiner fast zwanghaften Sachlichkeit, mit der ich argumentiere, während mir Geisteswissenschaftler, vor allem Philosophen und Theologen, stets Widersprechen, was früher zu regelmäßigen intensiven Diskussionen führte, vielleicht auch wegen eines gewissen Maßes an polemischer Kritik an der heutigen Philosophie und noch mehr an der Theologie. Alle anderen sind entweder beeindruckt und wollen mehr hören oder halten mich für nur bedingt zurechnungsfähig. Wobei es sich als hilfreich erwiesen hat, dass ich mich selbst nicht ernst nehme. Der frühere idealistische Beweggrund eine durchweg rational belegbare, humanistische Philosophie zu finden ist mittlerweile sowieso völlig der resignativen Erkenntnis gewichen, wie sinnlos dieses Unterfangen ist.

Nicolas Wezel:

Ich gehe davon aus, dass jeder den es interessiert mich verstehen kann, aber ich glaube die Wenigsten messen meinen Ausführungen ausreichend Bedeutung zu, um sich entsprechend damit zu befassen.

Dass meine Bilder diesen Hintergrund haben, wissen sowieso die Wenigsten, eigentlich keiner. Davon abgesehen, dass bisher niemand direkt danach gefragt hat, geht es bei Kunst (zumindest bei Malerei) nicht um objektive Wahrheitsfindung und rationale philosophische Weltanschauungen. Sondern um subjektive Empfindungen aller Art, welche man eher verschlechtert, als verbessert, durch sachliche Beschreibungen und die Vorwegnahme eigener Interpretationen, das glaube ich zumindest.

Rationale Betrachtungen, wie ich sie habe, sind eher hilfreich, wenn man beispielsweise wie oben erwähnt, etwas getan hat, wofür man sich jahrelange Vorwürfe macht, da hilft es manchmal sehr, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass der Lauf der Dinge fest steht, bevor sie geschehen und das Gefühl der Verantwortlichkeit nicht mehr ist als ein falsches Gefühl persönlichen Einfluss auf Basis eines freien Willens zu haben. Jedes Verhalten das wir zeigen, ist ein komplexes Reaktionsschema das auf unabänderlichen Gesetzmäßigkeiten beruht, also eine Einbahnstraße.

Dass es nicht vorhersehbar ist bedeutet nicht, dass es nicht fest steht bevor es geschieht. Also gewissermaßen ein chaotischer Zufall, das Muster nach dem wir handeln ist nur zu weitläufig um es mit unseren eingeschränkten Fähigkeiten wahrzunehmen. Was hier in wenigen Worten einfach, vielleicht im ersten Moment fragwürdig und mäßig nützlich klingt, ist das Ergebnis einer jahrelangen Suche und hat mir geholfen zumindest einen Teil schmerzlicher Erfahrungen zu überwinden, das ist das einzige was ich mit Sicherheit sagen kann.

Wenn meine Bilder bei jemandem das Empfinden irgendeiner Art von Ästhetik auslösen, haben allem Anschein nach zumindest ein Teil der zugrunde liegenden Überlegungen funktioniert, wie erhofft. Wider meiner anfänglichen Erwartungen gefällt Manchen, was ich da mache, und das unabhängig davon, was ich eigentlich damit ausdrücken will, was mich deswegen nicht mit weniger mit Stolz erfüllt.   

Fia: Glaubst du theoretisch könnte jeder lernen die Strukturen des Lebens zu erkennen und für sich sinnvoll einzusetzen?

Nicolas Wezel:

Da ich nicht mit Sicherheit sagen kann ob ich richtig liege oder vielleicht nur vor mich hin fantasiere und jegliche Zustimmung nicht dem Wahrheitsgehalt meiner Erkenntnisse, sondern z.B. dem Mitleid mit einem armen Irren der wirres Zeug redet, entspringt, ist das schwer zu sagen. Grundsätzlich denke ich aber, dass es immer hilfreich sein kann die Welt und das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, mehr ist es nämlich nicht.

Manchmal reicht es schon zu wissen, dass es einen anderen Blickwinkel gibt um Nutzen daraus zu ziehen. Man muss etwas nicht unbedingt selbst erkennen, um es nutzen zu können, wenn dem so wäre müsste jeder der Mathematische Formeln anwendet, wie den Satz des Pythagoras sie erst selbst errechnen. Diese Fähigkeit die Erkenntnisse anderer einfach anzuwenden, ohne sie völlig nachvollziehen zu können, ist vermutlich das kleine Detail aufgrund dessen aus einem auf Steine hämmernden Primaten, ein auf eine Tastatur hämmernder Primat geworden ist. 

Fia: Du sagst im Beitrag von ARTTRADO, dass deine Erkenntnisse nichts mit Schicksal zu tun haben, weil Schicksal bedeuten würde, dass es einen Sinn hinter dem Erlebten gibt, hältst du es für möglich, dass ein Mensch den Sinn lediglich nicht verstehen kann? Es ihn aber dennoch gibt?

Nicolas Wezel:

Ich weiß nur, dass die meisten Menschen ihr ganzes Leben darauf aufbauen, alles Leid ertragen oder überhaupt glücklich sein können, weil sie an einen solchen Sinn glauben oder ihn erhoffen. Der einzige Beweis, sogar das einzige Indiz dafür, ist ein Gefühl. Dem gegenüber steht eigentlich fast alles, das auf der Welt geschieht. Das ist den meisten Menschen durchaus bewusst und sie versuchen tausend Gründe für die offensichtliche Abwesenheit eines Sinnes zu finden, der dennoch existiert.

Was ist wahrscheinlicher, dass etwas offensichtliches so ist wie es erscheint oder, dass eine viel unwahrscheinlichere Erklärung zutrifft, die jemand sich erdacht hat, dessen gesamtes Leben davon abhängt. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als die Existenz eines Sinnes, eines guten Gottes und eines Lebens nach dem Tod, in dem ich alle wiedersehe die mir genommen wurden, alles andere spricht dagegen. Das bedeutet nicht, dass man nicht daran festhalten sollte, denn im Endeffekt ist die Wahrheit dahinter im Nachhinein egal, wenn es im Leben nützlich war.   

Fia: Könntest du dir vorstellen, dass die naturwissenschaftlichen Gesetze für die Menschen der damaligen Zeit mit Göttern, spirituellen Wesenheiten oder ähnliche Übernatürliches erklärt wurden? Um es für „Laien“ verständlich zu machen?

Nicolas Wezel:

Man muss nur ein Blatt ansehen und sich vorstellen, man wüsste nur wie kompliziert schon die Anfertigung einfacher Werkzeuge ist, wie sollte man dann auf die Idee kommen, dass etwas derart komplexes wie das Leben, einfach so sinnlos, ziellos und zufällig entstanden ist? Die Vermutung eines weitaus geschickteren Schöpfers mit Plan und Ziel, wie man es von sich selbst schon kennt, liegt viel näher aus diesem Blickwinkel. Es ist dann vermutlich sogar die scheinbar einzige logische Möglichkeit, mit der man es sich erklären kann.

Wer dann noch die Wirkung psychoaktiver Pflanzen kennt, die praktisch schon verwendet wurden, bevor es Menschen gab und zwar von Tieren (es gibt einige Beispiele von Drogen konsumierenden Tieren in der Natur), und sich vorstellt er erlebt das, ohne irgendetwas zu wissen und hält alles für echt… Wie soll man sich das anders erklären als mit der Existenz einer Welt hinter der Welt? Gäbe man heute einer Gruppe Menschen z.b. psychoaktive Pilze ohne ihr Wissen, so dass sie Einbildung ausschließen können, weil eben alle etwas geisterhaftes gesehen haben, würde möglicherweise eine neue Religion entstehen.

Man muss sich immer darüber im Klaren sein, dass Religion eine Erklärung  der Welt  ist, die spontan entstehen kann, während die Wissenschaft das Ergebnis der Interpretation von wiederholbaren Beobachtungen von Jahrhunderten oder Jahrtausenden ist, sich ständig selbst hinterfragt, an neue Erkenntnisse anpasst und nicht den Begriff Wahrheit sondern die Umschreibung „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ verwendet, während jede Religion eine finale, unbelegte, absolute Wahrheit zu sein für sich beansprucht.  

Fia: Glaubst oder glaubtest du selbst an Gott oder Ähnliches? Wenn ja, was hat sich verändert, als du die Erkenntnisse der Naturwissenschaft verinnerlicht hast?

Nicolas Wezel:

Ich glaubte an Gott, Außerirdische, Geister und Magie bis ich 15-16 war, dann fielen mir einige Ungereimtheiten auf und ich ging der Sache auf den Grund. Da die rationalen Erklärungen „immer“ irgendwie beweisbar waren, während die Übersinnlichen „immer“ ohne jeden Beweis waren, zeichnete sich ein ziemlich eindeutiges Schema ab. Ich legte zeitweise sogar selbst Tarot Karten und überraschenderweise funktionierte es die Bedeutung der Karten einfach abzulesen und damit bei Zweiflern verblüffte Gesichter auszulösen, weil ich scheinbar Dinge wusste, die ich nicht wissen konnte, dabei wusste ich nicht einmal genau, was genau ich da überhaupt machte…

Also habe ich entweder hellseherische Fähigkeiten, was mir sicher  bis heute irgendwann aufgefallen wäre, oder es hat mit der Wahrnehmung des Gegenübers zu tun, der hört und überhört, was er hören und überhören will, ohne es bewusst zu merken.

Dass die Menschen heute noch immer glauben liegt nicht daran, dass es schwer ist ihren Glauben zu widerlegen, sondern daran, dass sie spüren was sie verlieren könnten, weshalb sie einfach daran festhalten und kritische Gedanken blockieren und das hätte ich auch tun sollen, denn jede Freiheit, auch die von jeglichem Glauben, geht einher mit dem Verlust von Sicherheit und wenn Erkenntnis der Schlüssel dafür war gibt es leider kein zurück.

Nach langer Suche fand ich nur eine plausible Möglichkeit rational eine Form göttlicher Existenz zu erklären. Ich suchte danach, weil ich dachte, dass es einem rationalen Humanismus zuträglich wäre, eine höhere Existenz zumindest nicht völlig auszuschließen. Nach den Überlegungen eines Physikers namens Boltzmann, ist die Wahrscheinlichkeit einer spontan entstandenen Form von Bewusstsein, welche sich gewissermaßen die Welt nur vorstellt, zumindest nicht unwahrscheinlicher als die naturwissenschaftliche Erklärung der Welt.

Da ein Ich – Bewusstsein aber nur durch soziale Interaktionen entstehen kann (man erkennt nur die eigene Existenz, wenn es andere Existenzen gibt, mit denen man interagieren und von denen man sich abgrenzen kann bzw. muss), wäre ein solches Wesen sich seiner Handlungen jedoch sicher nicht bewusst… aber zumindest ist diese pantheistische Art der Betrachtung ein Ausweg aus der sinnlosen Leere die die Welt zu sein scheint, der einer rationalen Fragestellung halbwegs standhält.

Fia: Was glaubst du ist der Sinn deines Lebens?

Nicolas Wezel

Das ändert sich je nach Laune… Ernsthaft betrachtet ist „Sinn“ ein menschliches Konstrukt, gewissermaßen eine zwingende Schlussfolgerung unseres Gehirnes. Weil unser Verhalten normalerweise einen Sinn oder ein Ziel hat, erscheint es unserem Gehirn logisch, dass dies auch für die Welt gilt. Mehr steckt wohl nicht dahinter, daher sehe ich keinen anderen Sinn in meinem Leben als den, den ich ihm zuschreibe… und da bin ich bisher unschlüssig.

Fia: Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie lautet dieser?

Nicolas Wezel:

Weniger zu denken und weniger zu empfinden würde den größten Teil meiner Probleme lösen. Ich denke die Chance das zu erreichen, ist höher als die ideale Welt ohne Leid und voller Glück, an der ein Teil von mir festhält auf den ich keinen Einfluss habe. Daher wäre das wohl mein Wunsch.

Menschen zu unterscheiden, an der Hautfarbe, an ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder an ihrer sexuellen Orientierung bedeutet für mich Finsternis. Lebewesen als unterschiedlich wertvoll zu bezeichnen, bedeutet für mich Finsternis. Das ist nicht meine Sicht auf die Welt und das Einzige, was ich dem entgegen setzen kann ist rational zu denken, Worte, Farben und ein wenig Hoffnung.

Fia: Kannst du dir vorstellen mit deiner Kunst sehr erfolgreich zu werden?

Nicolas Wezel

Ich kann es mir vorstellen, aber ich kann mir auch vorstellen wie es ist aus eigener Kraft zu fliegen. Ich habe keine Ahnung, was wahrscheinlicher ist, aber ich würde eher auf das Fliegen tippen, denke ich.

Fia: Wie werden deine nächsten 5 Jahre aussehen?

Nicolas Wezel:

Das könnte ich nicht mal beantworten, wenn es um die nächsten 5 Tage gehen würde. Eines habe ich mit Nachdruck gelernt, Pläne scheitern immer, also plane keine Pläne. Außerdem mangelt es mir an der Fähigkeit, mich an das zu halten, was ich mir vorgenommen habe.

Fia: Glaubst du dieses Interview war ein Zufall?

Nicolas Wezel:

Ja und Nein, es war nicht von irgendwem oder irgendetwas vorher bestimmt. Also sozusagen eine Laune der Natur, aber es stand schon fest ,als die Erde entstanden ist.

Fia: Ich danke dir für deine Zeit.

Nicolas Wezel:

Ich bedanke mich noch einmal für das Interesse und hoffe einen angenehmen Eindruck von mir hinterlassen zu haben.

Weitere Informationen:

Mephistopheles Rex auf Instagram

Die Kunstwerke von Mephistopheles Rex sind im ARTTRADO Shop zu finden

In freundlicher Zusammenarbeit mit ARTTRADO

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