Pauline von bewusst diätfrei im Interview

Pauline von bewusst diätfrei im Interview

Bei Instagram folge ich Pauline von bewusst diätfrei schon einige Jahre. Im Laufe der Zeit dürfte ich eine erstaunliche Persönlichkeitsentwicklung bei ihr beobachten. Früher führte sie einen Fitness Account, auf dem sie vor allem ihre sportlichen und körperlichen Erfolge teilte. Heute setzt sie sich für ein bewusst diätfreies Leben ein und hilft vielen Frauen dabei, sich von dem Zwang des Kalorienzählens und Selbstzweifel zu lösen. Diese 180 Grad Wendung schreit doch gerade zu nach einem Interview, für den erstaunlichen Perspektivenwechsel, oder ? Dachte ich mir auch, also hier kommt es:

Fia:

„Hallo Pauline, schön dass du bei der Interview Reihe dabei bist. Ich verfolge dich schon einige Jahre und habe eine erstaunliche Entwicklung beobachten dürfen. Früher warst du ein reiner Fitness Account, heute stehst du für Selbstliebe und bewusst diätfreies Leben. Das ist eine echte 180 Grad Wendung. Daher möchte ich dir heute ein paar Fragen dazu stellen. Fangen wir mit dem sportlichen Teil an. 🙂

Wie kam es, dass du mit Sport angefangen hast?

Ganz ursprünglich hatte das tatsächlich gesundheitliche Gründe. Ich war in der Schule total der Sportmuffel, was aber auch daran lag, dass meine Sportlehrerin mal meinte ich wäre einfach zu dick für eine gewisse Übung (wohlbemerkt, ich war normalgewichtig). Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt und Sport war für mich lange ein rotes Tuch. Als ich dann 20 Jahre alt war, merkte ich aber Probleme mit meiner Kondition, mein Asthma wurde schlimmer und ich beschloss, einfach etwas für mich zu tun. Mir war sehr wichtig, dass es Sport ist, der mir Spaß bereitet. So kam ich erst zum Schwimmen, dann zum Joggen und schlussendlich sogar zum Krafttraining.

Wann und warum hast du dich dazu entschieden, deine sportliche Laufbahn auf Instagram zu teilen?

Mit dem Sport hatte ich die ersten Kilos verloren, aber dann bin ich nicht weitergekommen. Deswegen habe ich mich bei WeightWatchers angemeldet und dort dann begonnen meinen Weg auf einem Blog zu teilen. Als ich 2013 von WW weg bin, waren viele traurig und so bin ich dem Wunsch meiner Follower nachgekommen, dass ich meine Reise auch bei Facebook und ab 2014 dann auch auf Instagram teile. Anfangs mit einem privaten Profil, es dauerte eine Zeit bis ich bereit war alles öffentlich zu machen. Als ich dann später mit der Ausbildung als Ernährungsberaterin begonnen habe, habe ich dann aber auch einen eigenen Fitness-Blog, Youtube Kanal usw. erstellt.

Was ist passiert, dass du deinen sportlichen Lebensstil in Frage gestellt hast?

Wie ich bereits sagte, war anfangs noch alles im grünen Bereich. Der Sport und die Ernährungsumstellung machte ich für meine Gesundheit und ohne Druck. Leider ist das jedoch innerhalb kurzer Zeit – ich würde sagen innerhalb weniger Monate sogar – in die falsche Richtung gerutscht. Ich hatte den Wunsch einen perfekten trainierten Body zu haben und plötzlich drehte sich alles nur noch darum. Ende 2012, also mit fast 23 Jahren hatte ich 20kg abgenommen und ein Sixpack. Ich war aber trotzdem unzufrieden und dachte, ich müsse noch trainierter und noch definierter sein, um glücklich zu werden. Damit begann mein Ziel: Ein Sixpack, was man immer sieht und somit auch meine Zeit vom Diätkreislauf, wie ich es gern nenne. Ich habe mir damals diese ganzen „Fitness-Models“ als Vorbild genommen und wollte auch so sein. Überall diese perfekte, glückliche Welt – das wollte ich auch zeigen und leben. Doch über die Jahre wurde ich nur unzufriedener, entwickelte einen richtigen Hass auf meinen Körper, vor allem auf meinen Bauch. Einige Zeit habe ich meinen Bauch täglich fotografiert und den Umfang gemessen. Es war ein täglicher Kampf abzunehmen, der sich schlussendlich als totale Achterbahnfahrt aus Extremen entwickelte. Extremes Kaloriendefizit, täglich Sport und dann wieder Fressattacken, Cheatdays… ein paar Tage später begann alles von vorn.

Es mussten erst ein paar Jahre vergehen, bis ich dann immer mehr darunter gelitten habe und mir bewusst geworden war: Ich will das nicht mehr.

2016 war ich dann viele Monate krank mit dem pfeifferschen Drüsenfieber und da begann ich immer mehr alles in Frage zu stellen, bis ich dann 2017 den Schlussstrich gezogen habe, Diäten beendet habe und mich immer mehr mit dem intuitiven Essen befasst habe.

Bereust du, dass du einst so sehr im Fitnesswahnsinn gelebt hast?

Puh, gute Frage. Es ist ja so, wenn ich das nicht durchgemacht hätte, wäre ich nicht hier, wo ich heute bin. Im Nachhinein habe ich sehr viel daraus für mich und mein Leben mitnehmen können. Ich glaube, es gehört einfach zu meiner Geschichte dazu. Trotzdem hätte ich mir im Nachhinein doch so einige körperliche Zusammenbrüche und extreme Zwänge erspart. Antwort ist also: Jain. 😉

Was würdest du rückblickend anders machen, wenn du könntest?

Auch eine schwierige Frage. Ich muss sagen ich frage mich oft, wieso es die ersten Monate so gut und ohne Druck geklappt hat und was dann passiert ist, dass ich so in den Diätwahn geraten bin. Anfangs hatte ich total Spaß am Kochen und am Sport und irgendwann entwickelte sich ein Zwang daraus. Viele haben mich gewarnt, sich gesorgt… das habe ich immer wieder ignoriert und zurückgewiesen. Ich denke das ist etwas, was ich rückblickend anders gemacht hätte: Mit meinen Mitmenschen über meine Situation, Gedanken und Gefühle reden. Das habe ich echt total verpasst. Ich hab einfach alles in mich Hineingefressen, was es wahrscheinlich noch schlimmer gemacht hat.

Wie schlimm war deine Gewichtszunahme auf Grund des intuitiven Essens, wirklich für deine Psyche?

Super spannende Frage! Anfangs war es für mich der absolute Horror. Ich habe sehr oft geweint, immer wieder gezweifelt und auch aus Angst vor der Zunahme immer wieder Rückfälle ins Kalorien zählen gehabt. Doch mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass ich traurig sein darf und diese Veränderung auch zu meinem Prozess dazu gehört und vor allem, dass eben genau diese Zunahme wahrscheinlich einfach notwendig ist, um mich aus diesem Diätkreislauf zu befreien. Ich habe es also „in Kauf“ genommen. Also „schlimm“ war es anfangs definitiv. Es war sehr schlimm. Doch mit der Zeit – und da rede ich nicht von Tagen sondern wirklich von Monaten und Jahren – habe ich immer mehr an meinem Selbstbild gearbeitet und vor allem mir auch bewusst gemacht, dass ich diesen Körper nur unter Extremen geformt habe und das eben nicht das ist, was ich mein Leben lang weiter machen möchte. Thema Schönheitsideale, Druck der Gesellschaft usw. spielen da natürlich auch eine riesige Rolle, was mir immer mehr bewusst geworden ist.

Weiter gehts mit deiner heutigen Arbeit als Diätfrei Coach.

Du bietest heute 1:1 Coachings an, wie genau hilfst du deinen Coachees ? Wie läuft so ein Coaching bei dir ab?

Bei meinen Coachings geht es ganz viel vor allem um die Glaubenssatzarbeit sowie darum alte Diätgedanken, Muster und Verhaltensweisen aufzudecken. Da arbeite ich auch gern mit Methoden wie dem inneren Dialog oder innere-Kind-Arbeit. Aus meiner Erfahrung ist es super wichtig, da im Unterbewusstsein zu beginnen. Das ist die Grundlage, bevor es dann an die „klassischen“ Tipps für den Alltag zum Thema Hunger und Sättigung spüren, Ursachen für Fressattacken usw. geht.
Es ist aber auch wirklich sehr individuell. Ich habe Kundinnen, die waren schon sehr weit und da haben wir sofort geschaut, was können sie in ihrem Alltag noch verändern und andere, da geht es erst einmal daran Ängste und deren Ursachen zu besprechen – wie eben die Angst vor der Zunahme. Deswegen führe ich vor jedem Coaching ein kostenfreies und unverbindliches Kennlern-Gespräch. Dort bespreche ich dann mit den potentiellen Coachees wo sie gerade stehen, was sie sich wünschen und was ich ihnen anbieten kann. Manchmal braucht es dann nur eine Einzelstunde, manchmal aber eben auch mehrere Termine. Dort arbeite ich dann eben mit Gesprächen, es gibt auch Arbeitsblätter und Merkblätter und geführte Meditationen zur Unterstützung.

Was war dein größter Erfolg, als Diätfrei-Coach?

Oh, das ist schwer da diese eine Sache zu nennen. Ich freue mich jedes Mal, wenn – egal ob zahlende Kundin oder Follower aus meiner Community – mit meinen Inhalten und Tipps einen Aha-Moment hatte oder sich eben aus dem Diätkreislauf lösen konnte. Meine größten Erfolge für mich sind einfach, wenn mir meine Kundinnen schreiben, dass sie es schaffen endlich ohne schlechtes Gewissen zu essen oder eben „einfach normal zu essen“. Wenn ich weiß, ich hab in irgendeiner Art und Weise dazu beigetragen, dann macht mich das glücklich.

Würdest du sagen, du hast damit deine Berufung gefunden?

Haha, entschuldige da muss ich echt kurz Schmunzeln. Also ich habe ja vor ein paar Jahren schon einmal in meinem ehemaligen Job gedacht, ich hätte meine Berufung gefunden. Ich muss ganz ehrlich sagen – ich denke, man entwickelt sich ja auch mit seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Also was auf alle Fälle meine Berufung ist – ist anderen Menschen auf ihrem Weg in eine Veränderung zu ermutigen und zu unterstützen. Das habe ich schon immer gern gemacht und ist auch definitiv mein Ding! Ob das jetzt für immer in dem Thema „bewusst diätfrei“ sein wird, kann ich nicht sagen. Aktuell ja, definitiv. Ich stehe voll dahinter und hab so viele Pläne. Aber ich bin 31 und hab ja noch einige Jahre im Leben vor mir. Wer weiß, was mich da alles noch erwartet.

Arbeitest du nebenbei zusätzlich noch als Sozialpädagogin?

Nein, seit einigen Monaten nicht mehr. Ich arbeite nur noch als Coach bei „bewusst diätfrei“. Lange Zeit versuchte ich beide Jobs parallel laufen zu lassen und habe gemerkt, dass das für mich nicht funktioniert. Ich leiste nur gute Arbeit, wenn ich mich auf eine Sache fokussiere. Es war schwer, mir das einzugestehen, aber es fühlt sich absolut richtig an.

Was ist dein größtes, berufliches Ziel welches du verfolgst?

Hach, auch schwierig. Also meine erster Gedanke war jetzt, dass ich „bewusst diätfrei“ groß machen will. Es gibt so viele Menschen da draußen, die unter ihrem Essverhalten leiden und mein Wunsch ist es, da echt zu einer Veränderung beizutragen. Auch in Hinsicht auf Bodypositivity und Vielfalt. Es gibt so viel zu tun in diesen gesellschaftlichen Sichtweisen, dass wir uns endlich von diesen krassen Schönheitsidealen und unrealistischen Ansichten was Körper angeht verabschieden. Dafür möchte ich stehen und da möchte ich weiter dran arbeiten. Ich muss zugeben, ich tu mich schwer so ganz weit in die Zukunft zu schauen – mir ist wichtig, dass ich Freude an meinem Job habe und Menschen inspirieren kann.

Zu guter Letzt noch ein paar Private Fragen. 🙂

Dein Denken hat sich durch diese Entwicklung völlig verändert, gilt das auch für deine Lebensumstände? Wenn ja, was hat sich getan?

Hm, ich muss sagen es hat sich gar nicht soooo viel verändert. Ich bin definitiv selbstbewusster, offener und stehe mehr für mich ein. Ich sage mittlerweile öfter „Nein“ und grenze mich klar ab, was mir nicht gut tut. Ich habe auch einige Freundschaften beendet. Das war absolut nicht leicht, aber ich musste einfach auf mich schauen und was mir gut tut. Ich habe auch viele neue tolle Menschen kennengelernt und bin auch da viel offener. Und ich bin dankbarer für die kleinen Dinge. Ich merke, was wirklich zählt.

Hat sich deine Partnerschaft mit entwickelt / dadurch verändert?

Als ich in diesem Diätkreislauf war, hat mein Mann nur wenig mitbekommen. Wir hatten damals eine Fernbeziehung und am Wochenende konnte ich mit Cheatdays gut verstecken, was ich in der Woche alles tat, um meine Figur zu erreichen. Mittlerweile sehen wir uns seit ein paar Jahren ganz normal täglich und das ist auch ungefähr der Zeitraum seitdem ich intuitiv esse. Aus dieser Sicht hat sich da also nicht so viel verändert. Es ist auf alle Fälle entspannter. Gerade beim Thema Essen war das damals oft schwierig. Zum Glück hat er sich davon nie beeinflussen lassen.

Würdest du dich selbst als spirituell bezeichnen?

Erster Impuls: Nein. Ich find es aber auch echt schwierig, dass so ganz bewusst zu benennen und in Kategorien einzuteilen, wie ich bin 😀 . Was mir wichtig ist und meinen Ansatz stützt, dass ganz viel bzw. alles was wir tun mit unserem Unterbewusstsein, Erfahrungen und Erlebnissen der Vergangenheit und Einflüsse von Außen zusammenhängt. Da bilde ich mich auch immer super gern weiter und will das auch an meine Community weitergeben.

Was ist dein aller größter Herzenswunsch im Bezug auf die Menschheit?

Mehr Offenheit und auch Toleranz gegenüber des Einzelnen. Das wir weg kommen von diesem „alles muss perfekt sein“, hin zu der Akzeptanz der Vielfalt von uns als Menschen… und das wir darin eben auch die Chancen sehen.

Fia:

Ich danke dir recht herzlich für deine Zeit und Mühe.“

Fazit:

Ich bin und bleibe begeistert von dieser Entwicklung. Pauline wirkt in auf ihren Kanälen freundlich, sympathisch und empathisch und auch in den Interview Fragen lässt sich das gut herauslesen. Wer für sich erkannt hat, in einer negativen Diätspirale festzuhängen, sollte sich definitiv mit Pauline in Verbindung setzen. Wer erstmal schauen möchte, der findet von ihr auch viel hochwertigen Content hier:

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